Landesrat Steinkellner: "Bin über die ÖBB verärgert"

06.03.2018, 14:52 | Rohrbach
Mühlkreisbahn Aigen-Schlägl ÖBB 5047

Foto: Life Radio / Daniel Kortschak

Linz Urfahr Mühlkreisbahnhof Mühlkreisbahn

Foto: Life Radio / Daniel Kortschak

Linz Urfahr Wartesaal Warteraum Personenkassa Mühlkreisbahnhof

Foto: Life Radio / Daniel Kortschak

Mühlkreisbahn Linz Urfahr Warteraum Mühlkreisbahnhof Personenkassa Schalter

Foto: Life Radio / Daniel Kortschak

Wer in Linz-Urfahr von der Straßenbahn in die Mühlkreisbahn umsteigt, unternimmt eine Zeitreise: Von Kleinigkeiten wie den neuen Sitzbänken und dem modernen Bildschirm mit den Abfahrtszeiten abgesehen, liegen die letzten sichtbaren Investitionen am Bahnhof Linz-Urfahr gut vier Jahrzehnte zurück. Das Bahnhofsgebäude und der Wartesaal verströmen den schon ziemlich verblassten Charme der späten Siebzigerjahre. „Geschlossen steht an der Personenkassa, die staubigen Jalousien sind heruntergelassen. Ein vergilbter Aushang gibt Auskunft, dass hier schon vor über vier Jahren die letzte Fahrkarte verkauft worden ist.

Der dreißig Jahre alte Dieseltriebwagen, der am Bahnsteig bereitsteht, passt da perfekt ins Bild. Und nach der Abfahrt wird schnell klar, dass auch in den Gleiskörper der Mühlkreisbahn schon lange nicht mehr ordentlich investiert worden ist: Langsam windet sich der Zug durch die Häuserzeilen von Urfahr. Es rumpelt, quietscht und poltert. Ein Zustand, der sich auch auf den weiteren rund 60 Kilometern bis Aigen-Schlägl nicht verbessern wird. Im Gegenteil: Immer wieder muss der Zug abbremsen, bis knapp über Schrittgeschwindigkeit. Der Lokführer gibt mehrfach hintereinander Pfeifsignale ab, um querende Autofahrer und Fußgänger zu warnen. Trotzdem kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen: Die meisten Bahnübergänge haben wieder Ampeln noch Schranken und sind nur mit einfachen Stoppschildern gesichert.

KEIN GELD FÜR MODERNISIERUNG DER MÜHLKREISBAHN

Rund eine Viertelmilliarde Euro wollen die ÖBB mit Unterstützung des Landes heuer in Strecken und Bahnhöfe in Oberösterreich investieren, etwa im Innviertel. Doch für die 1888 eröffnete Mühlkreisbahn ist einmal mehr kein Geld dabei. Sehr zum Ärger von Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FPÖ): „Ein attraktiver Schienenverkehr braucht eine gute Infrastruktur und moderne Fahrzeuge. Die Mühlkreisbahn ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht macht. Er sei „sehr verärgert , dass die ÖBB seit Jahrzehnten nichts in die Mühlkreisbahn investieren würden, sagt er im Life-Radio-Interview.

Die ÖBB kontern, man würde sehr wohl Geld in die Bahnlinie stecken. „Wir investieren sowohl in die Instandhaltung als auch in die Sicherheit. Was darüber hinausgeht, da warten wir ab, was die Zukunft der Mühlkreisbahn bringt , sagt ÖBB-Sprecher Karl Leitner. Bevor die Verhandlungen mit dem Land Oberösterreich über den zukünftigen Betrieb auf der Mühlkreisbahn nicht abgeschlossen seien, würden die ÖBB keine weitreichenden Investitionen tätigen.

Landesrat Steinkellner betont, er wolle die Mühlkreis- und auch die Almtalbahn unbedingt erhalten. Dass das Land Oberösterreich die Infrastruktur der beiden Strecken von den ÖBB übernimmt, hält er für „grundsätzlich vorstellbar. Besser sei es aber, wenn die ÖBB-Infrastruktur-AG die Strecke weiterbetreiben würde: „Die ÖBB haben die Leute und das Knowhow, um Bahnstrecken in Stand zu halten. Wir müssten diese Strukturen erst mühsam aufbauen , sagt der Infrastruktur-Landesrat.

KEINE AUSSCHREIBUNG DER ZUGLEISTUNGEN

Während noch darüber verhandelt wird, wer in Zukunft Schienen und Bahnhöfe auf der Mühlkreis- und der Altmtalbahn erhalten wird, steht bereits fest, dass die Regionalzüge in Oberösterreich auch nach 2019 von den ÖBB betrieben werden. Das Land wird die Zugleistungen nach dem Auslaufen des derzeitigen Verkehrsdienstevertrags im Dezember 2019 weiter direkt an die ÖBB-Personenverkehr-AG vergeben. Nach dem Vorbild der Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Kärnten und Steiermark wird das gemeinsam mit dem Bund unternommen, der neben dem Land einen Teil der Nahverkehrsverbindungen finanziert.

„Dieser neue Vertrag mit den ÖBB wird voraussichtlich eine Laufzeit von 10 Jahren haben , sagt Steinkellner im Gespräch mit Life Radio. „Eine Ausschreibung der Zugleistungen wäre schon rein zeitlich bis Ende 2019 nicht mehr zu schaffen. Der Infrastruktur-Landesrat wünscht sich in Zukunft einen dichteren Fahrplan für die S-Bahn-Linien im Zentralraum; etwa einen 15-Minuten-Takt auf der Summerauer Bahn bis St. Georgen an der Gusen. Wie viele dieser Mehrleistungen auch tatsächlich kommen, sei allerdings eine Frage des Geldes. Dazu laufen laut Steinkellner aktuell gerade Verhandlungen zwischen Land, Bund und ÖBB.

AUSBAU DER PYHRNBAHN IN WEITER FERNE

Oft scheitert ein dichterer Takt der S-Bahn auch einfach an den schlecht ausgebauten Strecken. Da sieht Günther Steinkellner vor allem auf der Summerauer und der Pyhrnbahn dringenden Handlungsbedarf. Es sei diesbezüglich im Gespräch mit Infrastrukturminister Norbert Hofer, versichert der Landesrat. Beim Ausbau der wichtigen Schienenachse von der tschechischen Grenze Richtung Steiermark hofft er auch auf Geld aus Brüssel. „Wir versuchen gemeinsam mit dem Bund und der Steiermark, diese so genannte Pyhrn-Schober-Achse in die ‚Transeuropäischen Netze der EU zu bekommen. 2023 wird es da eine Evaluierung dazu geben.

Langfristig müsse es möglich sein, mit dem Zug in zwei Stunden von Graz nach Linz zu kommen. Ein ambitioniertes Ziel, denn selbst die derzeit schnellsten Züge brauchen für die rund 220 Kilometer lange Strecke zwischen der zweit- und der drittgrößten Stadt Österreichs gut drei Stunden. Da aber bei den meisten Verbindungen in Selzthal vom Intercity in den Regionalexpress umgestiegen werden muss, dauert die Fahrt meistens noch eine Viertelstunde länger.

RINGEN UM DIE EINHAUSUNG LEONDING

Beim ebenfalls dringend nötigen viergleisigen Ausbau der Westbahn zwischen Linz und Wels dreht sich derzeit alles um die geplante Einhausung der Bahn in Leonding. Während das Projekt aus Sicht der Gemeinde bereits unterschriftsreif ist, ist für die ÖBB noch gar nichts entschieden. „Fakt ist, dass die Einhausung bis jetzt nicht im Projekt eingereicht ist , sagt Steinkellner. Das könne man aber durch eine sogenannte „Aufsetzplanung nachträglich lösen: „Ich als Leondinger weiß, wie wichtig dieses Einhausung für die Stadt ist. Der Landesrat will jetzt Experten von Land, ÖBB und Stadt Leonding zu einem runden Tisch laden, um das Projekt voranzubringen.

LANDESRAT GÜNTHER STEINKELLNER IM INTERVIEW MIT LIFE-RADIO-REDAKTEUR DANIEL KORTSCHAK


Podcast
Get Flash to see this player.
Herunterladen